Interview - Maria W. Peter

Liebe Jekranta-Blogleser,

 

heute haben wir mal wieder ein neues Interview für euch. Die Autorin Maria W. Peter ("Die Küste der Freiheit") hat sich Zeit für unsere Fragen genommen.

 

Außerdem gibt es heute zeitgleich eine tolle Bücherverlosung der Autorin. Mehr dazu findet ihr hier: Klick mich (Teilnahmeschluss 8. Mai 2016)

 

 

Nun aber erstmal viel Freude beim Lesen des Interviews :).

Interview

Liebe Maria,
wir freuen uns, dass du Lust auf ein Interview mit unserem Blog hast und dich unseren Fragen stellst, damit wir die Autorin hinter dem Roman „Die Küste der Freiheit“ besser kennen lernen können.
Starten wir mit unserer Fragerunde :-):



1) Wie sieht dein Alltag aus? Ist das Schreiben dein Hauptberuf und was sind deine Freizeitaktivitäten?

Derzeit ist Schreiben tatsächlich mein Hauptberuf – und das ist eine großartige Erfahrung, die ich unglaublich genieße (die aber auch viel Zeit kostet). Meist stehe ich dazu sehr früh auf und arbeite in der morgendlichen Stille, bevor sonst jemand im Hause wach wird. Das ist auch die produktivste und kreativste Phase meines Tages: nur ich, der Computer und eine Tasse Kaffee… Dann wecke ich meine kleine Tochter und bringe sie in den Kindergarten. Anschließend geht es dann weiter mit Schreiben, Überarbeiten, Recherche. Gerade die Recherche nimmt bei historischen Romanen viel Zeit ein, da bin ich ungeheuer penibel, wälze monatelang Fachbücher und historische Originalquellen, treffe mich mit Historikern und reise, wenn möglich, zu den Schauplätzen.

Ja… Schreiben, Recherchieren, Lesereisen und Mama-Sein… das ist derzeit mein Leben. Daneben gibt es nicht wirklich noch Raum für Freizeitaktivitäten. Aber die vermisse ich auch nicht.

 
2) Wie und wann bist du zum Schreiben gekommen?


Geschichten erfunden habe ich schon, seit ich mich erinnern kann. Bereits im Kindergartenalter diktierte ich meinem Vater Texte, in der Grundschule schrieb ich dann selbst. Mit etwa sieben Jahren wusste ich, dass ich später einmal Autorin werden wollte – und dieses Ziel habe ich seither stets weiter verfolgt – mit einem Abstecher zum  Journalismus. Ich schrieb eigentlich immer an irgendetwas: Kurzgeschichten, Zeitungsartikel, Berichte und wenn es sein musste, auch Gedichte. In regelmäßigen Abständen habe ich es auch mit Romanen versucht, bereits in der Schulzeit kritzelte ich heimlich die Seitenränder meiner Hefte voll mit meinen Entwürfen. (So ähnlich entstanden auch große Passagen meines späteren Debütromans, nämlich in Univorlesungen;) )

 

Doch erst nach Beendigung meines Studiums machte ich die Schriftstellerei zum Beruf. Als ich während meines Referendariats mehrere Verlage anschrieb und ihnen Auszüge aus meinem Manuskript zuschickte, hatte ich durchschlagenden Erfolg: Für meinen Debütroman „Fortunas Rache“ erhielt ich gleich von vier Verlagen Vertragsangebote und war in der absolut privilegierten Situation buchstäblich die große Auswahl zu besitzen. (Heute weiß ich: das war der Sechser im Lotto. So etwas kommt bei Autorenneulingen – noch dazu ohne Agenten – fast nie vor). Mir war schwindelig vor Begeisterung! Bis heute bereue ich es nicht, mich damals für die Zusammenarbeit mit Bastei Lübbe entschieden zu haben. Zwischenzeitlich habe ich sechs Romane und drei Theaterstücke verfasst. Mein neues Buch soll im Frühjahr 2017 erscheinen. Natürlich ebenfalls bei Lübbe.

 
3) In deinem Buch „Die Küste der Freiheit“ wird über dich erwähnt, dass du eine Zeitlang in den USA gelebt hast. Beschreibe doch bitte etwas über dein Leben in Amerika und was dich dort geprägt hat.

 

Meine Beziehung zu den Vereinigten Staaten begann eigentlich schon weitaus früher. Ich bin im Saarland aufgewachsen, nur eine halbe Stunde Autofahrt von den großen amerikanischen Gemeinden und Stützpunkten rund um Kaiserslautern, Ramstein und Landstuhl in der Pfalz entfernt. Über meine damalige Begeisterung für Science Fiction und Star Trek lernte ich im Alter von sechzehn/siebzehn gleichgesinnte Fans aus der Gegend um Kaiserslautern kennen und über diese dann dieses „Klein-Amerika“ mitten im Pfälzerwald. Ich war oft auf den Stützpunkten zu Besuch, zum Shoppen, zum Essengehen oder im Kino. Später wurde ich sogar das einzige deutsche Mitglied eines amerikanischen Kirchenchors auf einer amerikanischen Base in Kaiserslautern. Dabei schloss ich Freundschaften mit vielen jungen amerikanischen Familien, wurde zu Festen und Feierlichkeiten eingeladen. Manche der damals geknüpften Kontakte halten noch bis heute.

Während meines Studiums siedelte ich dann für eine Zeit nach Missouri um, wo ich als Fulbright-Stipendiatin die sehr bekannte Journalistenschule in Columbia besuchen durfte (auf der auch bereits Tennessee Williams und Brad Pitt studiert hatten). Missouri… das ist die Welt von Mark Twain, Tom Sawyer und Huckleberry Finn… Der Mississippi, die unendlich weiten Landschaften, feuchte Hitze… Unbeschreibbar.
Natürlich habe ich in dieser Zeit nicht nur studiert und Reisen unternommen, es entstanden auch viele intensive Freundschaften, die mich sehr beeinflusst haben. Gerade auch mein Interesse, meine emotionale Bindung an die afroamerikanische Geschichte und Kultur, die Welt des schwarzen Amerikas hat in dieser Zeit tiefgreifende Impulse bekommen, die ich dann – Jahre später – nicht zuletzt auch in „Die Küste der Freiheit“ verarbeitete.
 


4) Wie kam es zu deiner Entscheidung ein Buch in der Zeit der Amerikanischen Unabhängigkeitskriege spielen zu lassen? Interessiert dich diese Zeitspanne der Geschichte persönlich?

Wie gesagt, war es zum einen die amerikanische Geschichte, die mich schon seit meiner Jugend fasziniert. Da ist die Amerikanische Revolution natürlich ein ganz besonderer Meilenstein – ein Meilenstein, bei dem im Übrigen auch Tausende von Deutschen beteiligt waren. Auch das Leben in den verschiedenen Regionen und sozialen Schichten der jungen Vereinigten Staaten hat mich fasziniert. Daher ist der Roman von Menschen ganz verschiedener Herkunft bevölkert: einem hessischen Offizier, einer Schuldmagd aus der Pfalz, einem irischen Freiheitskämpfer, einem Drucker und Quäker aus Philadelphia und nicht zuletzt den Herren und Sklaven auf einer Tabaksplantage in Virginia.

Außerdem hat die Amerikanische Revolution auch alle späteren Revolutionen in Europa angestoßen, auch die Französische Revolution. Nicht zuletzt deswegen hat der amerikanische Freiheitskrieg auch für uns heute eine Bedeutung. 


5) Was war der besondere Reiz an der Liebesgeschichte zwischen Anna und Lorenz für dich? Beide haben beispielsweise ja unterschiedliche Glaubensrichtungen. Möchtest du uns die beiden Charaktere aus „Die Küste der Freiheit“ nochmal genauer vorstellen und ob du irgendeine Inspiration hattest um die Liebesgeschichte der beiden nieder zuschreiben?

In meinen Romanen interessieren mich vor allem die Charaktere und ihre persönliche Geschichte, eingebettet in die große Weltgeschichte. Eine Liebesgeschichte erlaubt es dem Autor einen besonderen Dreh in die Entwicklung der Charaktere einzubringen, bisweilen sogar zwei völlig unterschiedliche Welten zusammenprallen zu lassen.

Im Falle von Anna und Lorenz ist dieser Zusammenprall besonders heftig, da ihre Herkunft unterschiedlicher nicht sein könnte. Da ist zum einen Anna, die gläubige Mennonitin aus der Pfalz, die fest an einem einfachen Lebensstil festhält, Krieg und Gewalt ablehnt und aus vergleichsweise ärmlichen Verhältnissen kommt. Lorenz von Tannau hingegen ist ein wohlhabender Aristokrat, der Sohn eines Feiherrn aus Cassel, ein „Papist“ (wie Anna es nennt) und zudem noch Offizier – bereit mit der Waffe in den Krieg zu ziehen und im Namen seines Landgrafen zu kämpfen und zu töten. Ein größerer Gegensatz zwischen zwei Liebenden ist kaum denkbar… und doch lässt sie das Schicksal immer wieder zusammentreffen, schweißt sie dabei fester zusammen…

Woher die Inspiration dazu kommt? Das ist eine Frage, die sich wohl jeder Autor stellt, die ich aber leider auch nicht beantworten kann… Auf jeden Fall fand ich es wichtig, dass zwischen dem im Roman dargestellten Krieg und Schlachtengetümmel auch die Gefühle nicht zu kurz kamen. Und auch in diesem Fall war die Liebe eine Kraft, welche die Romanhandlung immer wieder neu ins Laufen brachte. 


6) „Die Küste der Freiheit“ hat über 800 Seiten und muss viel Recherchearbeit beinhalten. Wie lange hast du an dem Buch gearbeitet und wie sah dabei die Entwicklung des Romans dabei aus?


Das ist schwer zu sagen. In welchem Moment genau beginnt die Recherche, das entwickeln der Ideen, die Arbeit am Text? Vier Jahre habe ich intensiv für das Buch recherchiert und daran geschrieben. Aber auch all die Jahre zuvor, in denen ich Amerikanistik studierte und mit Amerikanern verbrachte, haben ja erst einmal die Grundlage der Ideen geliefert, die ich dann später in den Roman eingebaut habe, die Basis meiner Kenntnisse über das Land – und auch die deutsch-amerikanischen Verwicklungen in Geschichte und Gegenwart.

Der Roman selbst ist dann aus einer Grundidee heraus entstanden: Schon vor etwa zehn Jahren hatte ich den Wunsch, über eine deutsche Einwandererin im amerikanischen Süden zu schreiben. Damals fehlte mir aber der richtige Dreh, das Lebensgefühl, dazu. Als mich dann aber Jahre später der Programmchef von Bastei-Lübbe fragte, über welche Epoche ich auch einmal gerne schreiben wollte, kam mir diese Idee quasi wieder in den Sinn. Da stand mir plötzlich die Geschichte deutscher Mennoniten vor Augen – und diese Mennonitin, die sich unstandesgemäß in einen Offizier und „Kriegstreiber“ verliebte. Von dieser Kernidee aus entwickelte sich dann nach und nach der Rest der Geschichte und der handelnden Figuren, immer dicht an den historischen Recherchen… die Iren, Quäker, Plantagenbesitzer, Sklaven, Schuldknechte, „verkaufte“ Soldaten usw.…siehe oben ;) 


7) Du hast auch noch andere Bücher geschrieben. Handelt es sich dabei ausschließlich um historische Romane? Bitte beschreibe uns doch noch ein anderes Werk. Welches liegt dir besonders am Herzen oder ist das „Die Küste der Freiheit“?

 

Die Themen, die mich im Laufe meiner Schreibphasen so interessiert haben, sind eigentlich recht bunt gemischt. In meiner Grundschulzeit versuchte ich mich an Internatsromanen, in der Unterstufe dann an solchen aus der Römerzeit. Während meiner Abiturzeit kritzelte ich meine Collegeblocks voll mit Science-Fiction-Themen, zu Beginn der Studienzeit schließlich auch Kurzgeschichten, Erzählungen und Krimis, die um oder auf den amerikanischen Stützpunkte angesiedelt waren. Erst während meines Studiums in Missouri kam ich dann wieder auf historische Themen zurück. Grundsätzlich bin ich für viele Epochen und Genres zu haben, aber meine momentanen Buch- und Theaterprojekte haben tatsächlich alle einen historischen Hintergrund.

 

Was die andere Frage angeht, hm, das ist schwer zu beantworten. Einen Autor zu fragen, welches Buch er am liebsten hat, ist fast so schlimm, wie eine Mutter zu fragen, welches Kind, sie mehr liebt. Als Autorin lebt man sich in die Charaktere, in die Welten eines jeden Buches ein, jeder einzelne Roman liegt einem da auf seine eigene Art am Herzen. Ich mag meine Invita-Romane ähnlich gerne, wie meinen Amerika-Roman… und natürlich auch wie die Projekte, an denen ich jetzt gerade arbeite. Einen besonderen Platz nimmt jedoch für mich persönlich noch immer „Die Legion des Raben“ ein, der zweite Band der historischen Krimserie um die Sklavin Invita. Vielleicht auch, weil er so ganz in meiner Heimat spielt und ich viele Schauplätze darstellen konnte, die mir viel bedeuten. Aber auch, weil ich ihn besonders gelungen finde – ein Römerkrimi, wie ich ihn immer hatte lesen wollen (den es aber so nie zuvor gab).
Die Figur dieser gewitzten, aufsässigen Sklavin des römischen Statthalters, die in Verschwörungen, Verbrechen und Mordgeschichten hineingezogen wird und dann selbst die Hintergründe aufspüren muss, mag ich noch immer ganz besonders gerne. (Band vier der Serie ist übrigens in Arbeit.)

 
8) Gibt es eine Epoche in der du gerne gelebt hättest und wenn ja, warum?

 

Es ist verrückt, aber in meiner Phantasie schwelge ich gerne in vergangenen Zeiten, tauche richtiggehend in diesen ein. In der Realität möchte ich jedoch nur heute leben, in keiner der früheren Epochen. Medizinische Versorgung, Hygiene, Menschenrechte… das alles sind Errungenschaften der modernen Zeit, die ich nicht missen möchte.


9) Schreibst du hauptsächlich Romane oder liest du auch selbst gerne mal? Wenn ja, welches Genre bevorzugst du selbst persönlich?

 

Jaaa… natürlich. Ich lese unglaublich gerne. Wahrscheinlich ist jeder, der zum Stift (oder der Tastatur) greift, um selbst Bücher zu schreiben, erst einmal ein passionierter Leser/Leserin gewesen, bevor er/sie dann auch Autor/Autorin wurde. Was das Genre angeht: Natürlich liebe ich historische Stoffe, auch bei Lesen. Es ist unglaublich spannend, mit Romanfiguren in vergangene Zeiten abzutauchen. Doch kann ich mich für die meisten Genres erwärmen, wenn der Autor eine starke Erzählerstimme hat und es versteht, packende, vielschichtige Charaktere zu erschaffen. Hin und wieder mag ich auch gerne einen Krimi, aber wie gesagt, ich bin da thematisch recht offen.

10) Ist dir Kritik von deinen Lesern wichtig und wie gehst du damit um?

 

Als geselliger Mensch liebe ich den Kontakt zu meinen Leserinnen und Lesern. Daher mache ich auch viele Lesereisen, bei denen ich einige von ihnen persönlich kennen lernen kann. Aber auch im Internet bin ich sehr aktiv und schätze den Dialog mit Autorenkollegen, ebenso wie mit Lesern. Dazu gehört auch häufig ein Austausch über das Gelesene – und natürlich ist mir die Meinung der Leser dabei sehr wichtig. Immerhin schreibe ich nicht zuletzt auch für sie. Es ist spannend zu erfahren, wie jemand Handlung und Figuren wahrgenommen hat, mit denen man selbst so viel Zeit verbracht, in die man so viel Herzblut investiert hat. Und es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen und Vorlieben der einzelnen Leser sind.

Ich denke, ich gehe sehr offen mit der Meinung der Leser um… Deshalb freue ich mich auch darüber, dass die überwiegende Mehrheit der Rückmeldungen ungemein positiv ist. Aber auch kritische Rückfragen gehe ich offen an – jeder Leser empfindet die Dinge anders, jeder hat ein Recht auf seine Meinung… das macht den Austausch ja gerade so spannend.


Vielen Dank für das Interview.

 

 

Weitere Infos zur Autorin und ihren Büchern unter:

 

www.mariawpeter.de und unter www.facebook.com/MariaWPeter.

 

Für Anfragen steht Maria W. Peter auch per Mail zur Verfügung: mwp-history@web.de

Informationen zum Buch "Die Küste der Freiheit"

Autor/in: Maria W. Peter
Verlag: Bastei Lübbe
Seitenanzahl:
878
ISBN:
978-3-404-16735-7
Ebook-ISBN: 978-3-8387-2480-5
Internetseite des Verlags
https://www.luebbe.com/de/die-kueste-der-freiheit/id_3588985

 

Klappentext

 

Hessen 1776: Als ihr geliebter Lorenz mit seinem Casseler Regiment nach Amerika in den Krieg geschickt wird, ist Anna zutiefst verzweifelt. So verzweifelt, dass sie sich als Schuldmagd in die amerikanischen Kolonien verkauft. Bald schon findet sie sich mit zahlreichen anderen Auswanderern auf einem Schiff in die Neue Welt wieder. Doch der Weg in die Freiheit und zur Liebe ist weit…

 

Zu unserer Rezension geht es hier.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Lesestunde mit Marie (Donnerstag, 21 April 2016 20:56)

    Tolles Interview, tolle Autorin, tolles Buch!

  • #2

    Jekranta-Kristina (Freitag, 22 April 2016 13:40)

    Vielen Dank für deinen lieben Kommentar, Lesestunde mit Marie :).

  • #3

    Alexandra Richter (Sonntag, 24 April 2016 12:41)

    Hallo,
    wow,
    soviele tolle Fragen an die Autorin und so eindrucksvolle Antworten dann erhalten. Ich bin begeistert, zu erfahren, was Maria W. Peter schon alles erlebt hat. Vielen vielen Dank für das Interview!
    Habe noch einen schönen Lesetag...
    LG Alex

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