Interview - Hannah Simon

Hallo liebe Blogleser,


heute ist es schon wieder soweit, wir haben ein weiteres, interessantes Interview für euch. Dieses Mal dürfen wir euch die Autorin Hannah Simon näher vorstellen.


Viel Vergnügen :)!


Liebe Grüße


die Jekranta-Lesefreunde

Interview

(c) Julia Werner
(c) Julia Werner

Liebe Hannah,
vielen Dank, dass du dich heute unserem Interview stellst. Dein Debütroman „Felix oder Zehn Dinge, die ich an dir liebe“ ist gerade erschienen und man findet dazu auch eine Rezension auf unserem Blog. Gerne möchten wir nun die Autorin hinter diesem Buch näher kennenlernen und freuen uns, dass du dich unseren heutigen Fragen stellst :-).

  1. „Felix oder Zehn Dinge, die ich an dir liebe“ handelt von einem Mann, der scheinbar an einer Glücksallergie leidet. Was bedeutet für dich das Wort Glück? Auf was müsstest du verzichten, wenn dich eine Glücksallergie befallen würde?

     

    Dass Glück (im Sinne von happiness) für jeden etwas anderes bedeutet, war eine Erkenntnis, die mich beim Schreiben vom „Felix“ sehr beschäftigt hat. Für mich bedeutet es vor allem: Wunderschöne, kleine Momente, bei denen ich im Alltag innehalte, und eine gute Grundzufriedenheit. Ich bin ein ziemlicher Optimist – erwiesenermaßen führt so eine Einstellung auch zu mehr Glück (luck), denn man läuft mit offenen Augen durch die Welt, und findet so eher den 10-Euro-Schein, der auf der Straße liegt. Im übertragenen Sinn: Man erkennt die günstigen Gelegenheiten, die um die Ecke warten.

     

    Wir Schriftsteller müssen zu unseren Figuren ja gemein sein, aber ich selbst bekomme hoffentlich nie eine Glücksallergie! Das wäre ja wirklich fies - da müsste ich auf viel zu viel verzichten. Tee & Kekse, Hundespaziergänge, ein heißes Bad. Gute Bücher, Musik, Tage am Meer und noch mehr Kekse. Ausziehen könnte ich dann auch, denn mein Mann und meine Kinder tragen nicht unwesentlich zu meinem Wohlbefinden bei. Und das Schreiben, bei dem ich so richtig im Flow bin, könnte ich auch an den Nagel hängen. 

     

  2. Uns würde mal interessieren, wie du auf die Geschichte rund um Felix und seine „Glücksallergie“ gekommen bist. Hat dich irgendetwas inspiriert?

     

    Ich kann Euch sogar das genaue Datum nennen, an dem ich auf diese Idee gekommen bin: am 31. Oktober 2008. Denn da kam ich von einigen Allergie- und Unverträglichkeitstests aus dem Krankenhaus nach Hause und las meinen „Abschlussbericht“. Der listete auf, was alles getestet wurde, wie die Blutwerte waren und noch ganz viele andere Dinge, die ich nicht verstanden habe … und irgendwo stolperte ich über das Wort „Serotonin“. Als Laie dachte ich: „Das ist doch das Glückshormon?“ Da ich also gerade Allergietests hinter mir hatte, war die nächste Frage klar: „Was wäre, wenn – man gegen das Glückshormon allergisch wäre?“

    Und so war die Idee geboren. Ich dachte mir also eine Glücksallergie aus und ließ dann meinen Helden das erleben, was für ihn das Schlimmste in diesem Fall ist: Er verliebt sich! Wie gesagt, wir Schriftsteller müssen zu unseren Figuren ja gemein sein …

     

  3. Wie lange hast du an deinem Debütroman geschrieben? Und wie sah die Arbeit daran aus?

     

    Von der ersten Idee bis zum Verkauf des Manuskripts an den Verlag vergingen sechs Jahre. Ja, so lange! Ich hatte einen Vollzeitjob als Werbetexterin und habe an den Wochenenden und im Urlaub geschrieben. Später habe ich mich selbstständig gemacht, geheiratet, mein erstes Kind bekommen, einen Hund adoptiert und bin von München nach Berlin und dann nach Stuttgart gezogen ... Wie man sieht, ist mir einfach das volle Leben passiert.

    Trotzdem habe ich immer am Manuskript gearbeitet und zwischendurch auch mal einen ersten Entwurf, der einfach noch nicht gut war, in den Papierkorb geworfen. Später habe ich ein Stipendium vom Förderkreis Schriftsteller in Baden-Württemberg bekommen, um weiter am „Felix“ zu arbeiten. Also saß ich am Schreibtisch, während meine Tochter im Kindergarten war. Oder bin mit der ganzen Familie nach München zum Recherchieren gefahren. Zum Schluss haben mir eine ganze Handvoll Testleser geholfen, dem Roman bei der Überarbeitung den letzten Schliff zu geben.

     

  4. Wie entwickelst du deine Charaktere beim Schreiben? Machst du dir vorher Notizen, welche Eigenschafen die einzelnen Personen in deinem Roman haben sollen oder entwickelt sich das beim Schreiben selbst?

     

    Ich mache mir vorher sehr viele Notizen. Ich erarbeite mir das, was da entsteht, sozusagen schreibend – allerdings nicht (nur) in Form von Prosa; in meinem Notizbuch ist quasi alles erlaubt. Stichworte, Listen, Dialoge, Szenen, Fragen an mich selbst, Rechercheschnipsel. Als Grundfrage steht da aber nicht: „Wie soll meine Hauptfigur sein?“, sondern: „Welche Geschichte will ich erzählen?“ Ich habe ein zentrales Thema, das über allem schwebt, und eine zentrale Frage, die diesen Roman vorantreibt bzw. bestimmt. Diese Dinge färben alles ein, was ich im weiteren Verlauf entwickle. Wenn es also in einer Geschichte z.B. darum geht, seinen eigenen Weg zu gehen, dann entwickle ich eine Hauptfigur, der das besonders schwer fällt. (Es muss spannend bleiben, und wir Schriftsteller sind ja wie gesagt gemein.) Und dann frage ich mich: Warum fällt es dieser Figur so schwer, ihren eigenen Weg zu gehen? Die Antwort darauf kommt oft aus dem Bauch heraus, etwa: Sie hat oft positive Bestätigung erfahren, als sie angepasst durchs Leben ging. Dadurch hat sie den Blick bzw. das Bauchgefühl dafür verloren, was ihr eigener Weg ist. Somit habe ich die Eigenschaft (Figur ist „angepasst“) nicht bestimmt, sondern abgeleitet. Und gleich dazu auch noch das, was ich in einer Szene zeigen muss: Dass es sich hier um eine Figur handelt, die absolut nicht auf ihren Bauch hört.

     

    Es ist also ein Wechselspiel zwischen Planen und Bauchschreiben. Ich arbeite einen sehr ausführlichen Szenenplan aus mit all dem Material aus meinen Notizbüchern. Erst dann fange ich an, Prosa zu schreiben. Aber auch in diesem Stadium ist es noch erlaubt, Teile des Plans über den Haufen zu werfen, wenn ich schreibend merke, dass etwas noch nicht stimmt.

     

     

  5. Planst du schon dein nächstes Buch? Und wenn ja, in welche Richtung soll es gehen? Wieder ein Liebesroman?

     

    Ja, ich fülle schon die nächsten Notizbücher! Es wird wieder ein Liebesroman. Viel kann ich noch nicht verraten, denn ich stehe noch ganz am Anfang, aber einen ersten Arbeitstitel habe ich für Euch: „Gestern ist heute ist morgen.“

     

  6. Wie war es aus der Sicht eines Mannes zu schreiben? Normalerweise kennt man Liebesromane meistens aus der weiblichen Sicht ;-)…

     

    Ich fand es toll, aus der Sicht eines Mannes zu schreiben. Denn es ist ja schön, aus seiner Sicht zu hören, wie er die Frau anschmachtet, die da sein Herz erobert. Das mögen wir doch gern, oder?

    Dass ich aus der männlichen Perspektive schreiben würde, war eine reine Bauchentscheidung. Und ich habe mich anfangs auch gefragt, ob ich das denn „kann“. Aber solche Zweifel währen nicht lange: Man entwickelt eben eine Figur, nicht einen Mann oder eine Frau – eine Person mit all ihren Eigenschaften, Vorlieben, Schwächen, Hintergründen, Überzeugungen. Diese Person ist zwar in ihrem Leben davon geprägt worden, dass sie z.B. als Junge und Mann heranwächst, und das hat gewisse Auswirkungen. Aber ich sitze beim Schreiben nicht da und frage mich: „Wie würde das ein Mann jetzt sagen?“ Sondern ich frage mich: „Wie klingt das, wenn diese Person das sagt?“

     

  7. Nun mal mehr zu dir als private Person. Wie kann man sich dein Alltagsleben vorstellen? Ist Schriftstellerei dein Hauptberuf? Und wenn nicht, was machst du sonst noch?

     

    Ja, die Schriftstellerei ist mein Hauptberuf. Früher war ich Werbetexterin; ich habe also schon immer mit Schreiben und Sprache zu tun gehabt. Inzwischen bin ich auch zweifache Mutter. So gesehen habe ich einen zweiten Hauptberuf als Chaosbewältigerin (so viel mal zum Alltagsleben!). Ich mache eben beides, aber beides mit viel Liebe.

     

  8. Beschreibe uns doch mal eine Freizeitbeschäftigung, die du mit Leidenschaft nachgehst.

     

    Tee trinken! Ich kaufe meinen Tee in einem ganz bestimmten, exklusiven kleinen Laden und lerne dort immer mehr über Sorten, Herstellungsverfahren, Anbaugebiete und Zubereitungsvarianten. Demnächst besuche ich ein spezielles Seminar dazu und so langsam kristallisiert sich der Wunsch heraus, eines der Anbaugebiete auch einmal persönlich zu bereisen …

     

  9. Wofür bist du bisher im Verlauf deines Lebens am meisten dankbar?

     

    Dafür, dass ich mich mit meiner Familie (Eltern und Schwestern) gut verstehe und dass ich zwei gesunde Kinder habe. Nichts davon ist selbstverständlich, und ich freue mich jeden Tag daran.

     

  10. Welches Genre bevorzugst du selbst am meisten, wenn du ein Buch liest?

     

    Ich genieße es sehr, dass ich da gar nicht eingeschränkt bin und meine Nase zwischen jegliche Buchdeckel stecken darf, die mir interessant vorkommen. Liebesromane, Jugendthriller, Sachbücher, Bilderbücher, Klassiker, Historisches, Bücher von der Bestenliste und solche, die man im hintersten Winkel in der Schatzkiste der Buchhandlung entdeckt.

     

Zwar stellen wir immer bei unseren Interviews 10 Fragen, aber falls du noch einen guten Spruch kennst, dass zum Thema „Glück“ passt, wäre es toll, wenn du ihn mit uns teilen würdest :).

Einen Spruch habe ich Euch nicht, aber eine Melodie: Bei „Happy“ von Pharrell Williams wird man einfach glücklich, finde ich. Also aus der Playlist raussuchen, aufdrehen und lostanzen!


In diesem Sinne bedanken wir uns dafür, dass du dich bereit erklärt hast, an unserem Frage-Antwort-Spiel teilzuhaben. :-)


Informationen zum Debütroman "Felix oder Zehn Dinge, die ich an dir liebe"

Autor/in: Hannah Simon
Verlag: Fankfurter Verlagsanstalt
Seitenanzahl:
360
ISBN:
978-3-627-00213-8
Internetseite des Verlags:
http://frankfurter-verlagsanstalt.de/


Klappentext


Felix ist ein Glückspilz: Im Job könnte es nicht besser laufen, da lernt er auch noch seine Traumfrau kennen. Doch plötzlich bricht Felix zusammen, die überraschende Diagnose: Er hat eine Glücksallergie. Felix muss sich also in kleinen Dosen unglücklich machen, um sein Beziehungsglück auszugleichen. Als er die kratzbürstige Ruby trifft, liegt die Lösung auf der Hand - bis der Held erneut eine Überraschung erlebt...


Zur Rezension geht es hier.

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