Interview - Margit Ruile

Liebe Blogleser,


heute ist es wieder soweit. Wir dürfen euch wieder eine Autorin näher vorstellen:

Margit Ruile hat sich unseren Fragen gestellt :-).


Viel Spaß beim Lesen.


Viele Grüße


euer Jekranta-Lesefreunde-Team

Interview

Margit Ruile
Margit Ruile

Liebe Margit,

heute stellst du dich unseren Fragen für ein Interview. Dafür möchten wir dir sehr danken. Du hast u.a. das Buch „Deleted“ geschrieben, das 2035 in Berlin spielt und von einer technisierten Zukunft erzählt, die unsere heutige Zeit noch übertrifft. Zu diesem Buch findet man auch bereits eine Rezension auf unserem Blog. Doch nun möchten wir noch mehr über dich erfahren :).

1. Zunächst erstmal etwas zu dir als Person: Wie würden dich deine Familie oder Freunde charakterlich beschreiben?

Oh, sehr schwere Frage. Ganz ehrlich - ich weiß es nicht. Vielleicht hoffe ich, dass sie mich gar nicht beschreiben könnten, weil sie mich zu gut kennen. Ich selbst könnte das bei ihnen jedenfalls nicht, denn ich bin so nahe dran, dass ich sie unscharf sehe. Die, die mich nicht kennen, beschreiben vielleicht eine Frau, die in sich versunken vor ihrem Laptop in einem Café sitzt,  gut Trinkgeld gibt, ihre Tasse immer ordentlich zurückstellt und  freundlich grüßt.  

2. Was bist du eher: ein Großstadt- oder Landmensch und warum?

Ganz klar – ein Großstadtmensch. Ich habe nie woanders als in Großstädten gelebt. Hier- zwischen den Straßenbahnen, Cafés und den vielen unterschiedlichen Menschen fühle ich mich wohl und nie einsam. Ich mag das Land sehr. Aber ich gehöre da nicht hin.

3. Da du über eine technisierte Zukunftswelt schreibst: Könntest du dir nochmal eine Zeit ohne Handy/Internet/PC vorstellen bzw. gibt es auch Momente bei der du dich einfach mal von der Technik distanzierst, zum Beispiel im Urlaub? Oder geht es bei dir gar nicht mehr ohne diese Dinge?

Ich glaube, ich würde diese Dinge nicht vermissen, brauche sie aber für meine Arbeit. Ich sehne mich nicht danach, wieder meine Texte in eine mechanische Schreibmaschine zu hacken und dann die Seiten zu zerknüllen, weil sich ein Fehler eingeschlichen hat. Ich brauche das Internet, um schnell etwas recherchieren zu können. Über mein Email-Programm läuft fast meine gesamte Korrespondenz.

Auf der anderen Seite schreibe ich jeden Tag mein Tagebuch mit der Hand, lese ganz altmodisch in Büchern und in der Zeitung und weiß auch wie ich etwas in einer Bibliothek finde und studiere lieber eine Karte anstatt das Navi anzuschalten.

4. Was ist dein persönlicher Wunsch? Gibt es irgendetwas, was du dir in nächster Zukunft erhoffst?

Ganz konkret: einen guten Vertrag für mein neues Buch, viele Leser für deleted und viele neue Lesungen für die Mira- Trilogie. Ich liebe es vor Kindern zu lesen, das macht mir einen Riesenspaß.

 

5. Uns interessiert immer mal wieder, was Autoren gerne lesen. Hast du ein bestimmtes Lieblingsbuch oder –genre?

Vieles und ganz querbeet. Also ganz vorne: Margaret Atwood und Ian McEwan. Fast alles von ihnen. „Revolutionary Road“ von Richard Yates. Dann... Douglas Adams. Die Kurzgeschichten von Alice Munro und Guy de Maupassant. Stefan Zweig. David Mitchell. Das sind die, die mir gerade in den Sinn kommen.  

6. Nun möchten wir langsam mal zu dir als Autorin kommen. Wie bist du zum Schreiben gekommen? Und welches Buch war dein Erstling, vielleicht magst du ein wenig darüber erzählen?

Ich wollte schon immer schreiben. Ich weiß, das ist DER klassischer Satz, aber es stimmt, man trägt das in sich. Diesen Willen, etwas auf das Papier zu bringen und die Welt umzuformen. Ich wollte aber erst ordentlich studieren und habe ein Regiestudium an der Hochschule für Fernsehen und Film in München abgeschlossen. Dort hatte ich danach lange Zeit eine Stelle als künstlerisch wissenschaftliche Mitarbeiterin und habe für andere Filme organisiert und sie beraten. Ich bekam zwei Kinder, hatte meinen Beruf und war eine Weile ganz damit beschäftigt, meinen Alltag zu organisieren und mich überhaupt über Wasser zu halten. Irgendwann wurde dann die Sehnsucht nach dem Schreiben zu groß. Es war, als hätte sich in mir drin jemand auf die Zehenspitzen gestellt und heftig angeklopft. Ich wollte es zunächst nicht hören, aber dann nahm ich mir neun Monate Elternzeit und schrieb mein erstes Buch „Mira und der weiße Drache“. Ich hatte keine Ahnung, ob ich es überhaupt zu Ende bringen würde, aber mit jedem Kapitel wurde ich sicherer. Als ich den Vertrag für die Veröffentlichung in der Tasche hatte, habe ich gekündigt und seitdem lebe ich als Autorin. Ich bin einfach  in die Unsicherheit gesprungen und ich frage mich immer noch häufig, ob ich nicht einfach verrückt bin. Aber tief innen habe ich das Gefühl, das richtige zu tun. Das Ich, das da angeklopft hat, ist zumindest nun ruhig und zufrieden. 
 

7. Was hat dich dazu bewegt „Deleted“ zu schreiben? Könntest du dir vorstellen, dass die Menschen in der nahen Zukunft wirklich abhängig sind von so etwas ähnlichen wie ein e-Brace?

Ich glaube, dass diese Abhängigkeit schon besteht und sie von den  großen Konzernen noch befördert wird. Viele der neuen Erfindungen sind zwar sehr praktisch, aber wenn wir uns nur noch auf sie verlassen, werden wir selbst immer unmündiger und verlernen, unseren eigenen Fähigkeiten und Sinnen zu vertrauen. 
 

8. In dem Buch weiß Ben plötzlich nicht mehr, wem er trauen kann. Was würde dich dazu verleiten jemanden nicht mehr zu vertrauen?

Wenn mich jemand mehrfach enttäuscht hat, dann vertraue ich ihm nicht mehr. Und - Bei allem, was zu pompös daherkommt oder zu einfache Lösungen für komplexe Probleme verspricht werde ich auch misstrauisch.
 

9. Nimmst du dir Kritik von deinen Lesern zu Herzen und beeinflusst dies dich vielleicht auch beim Schreiben?

Oh ja, natürlich. Vor allem wenn bestimmte Dinge mehrfach von unterschiedlichen Lesern geäußert werden. Dann höre ich  genau hin und überlege, wie ich das bei einem nächsten Buch anders machen kann.  

10. Was ist dein nächstes Buchprojekt? Schreibst du schon an einer nächsten Geschichte? Und wenn ja, wird es wieder ein Jugendbuch sein?

Das nächste Buch richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene. Ein Thriller-Noir und zugleich ein Märchen. Es kommen Überwachungskameras vor. Straßenlaternen, geheime Schriften an U-Bahnwänden, eine Strophe aus “Sound of Silence”, eine mysteriöse Untergrundorganisation...
Und es wird natürlich pausenlos regnen.

Vielen herzlichen Dank, dass du an unsrem Interview teilgenommen hast :-). Möchtest du vielleicht noch ein Schlusssatz anfügen?

Ich bedanke mich auch sehr herzlich!

Ein Schlusssatz. Mhmm...

Ach ja. Macht’s Gut und danke für den Fisch!


Informationen zum Buch "deleted_Traue niemandem"

Autor/in: Margit Ruile
Verlag: bloomoon
Seitenanzahl:
256
ISBN:
978-3-8458-0639-6
Ebook-ISBN (epub): 978-3-8458-0767-6
Internetseite des Verlags: http://www.bloomoon-verlag.de/


Klappentext


Berlin, 2035. Der digitale Megakonzern Logos hat die Welt in einen rundum komfortablen und sicheren Ort verwandelt. Nicht nur dank der allgegenwärtigen Kameras, Drohnen und eines Super-Internets, sondern vor allem durch die Slaves: persönliche Hologramm-Avatare, die das Leben jedes Menschen rund um die Uhr begleiten, betreuen und organisieren - und dabei alles über ihre Besitzer wissen.


Auch Ben vertraut voll auf Sakar, seinen virtuellen Freund am Handgelenk. Doch nur so lange, bis er an die mysteriöse Organisation der Falschen Freunde gerät und sich in einem Gespinst aus Lügen und Täuschungen wiederfindet.


Zur Rezension geht es hier

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